Weil heute Sonntag ist, möchte ich mich als Krimifan outen. Der aktuelle Anlass ist, dass mein Buchhändler mir gestern schon an der Eingangstür mit einem neuen Krimi von Tony Hillerman (Tony Hillerman, Der Skelett-Mann, rororo 2006) entgegenkam; ja, das ist super, wenn man so einen Buchhändler hat! Der weiß nicht nur, was ich gerne lese, sondern gibt auch nur Tipps ab, auf die ich mich zu fast 100% verlassen kann. Also zu Tony Hillerman: Von dem inzwischen über 80jährige Amerikaner sind auf Deutsch inzwischen 12 Titel erhältlich. Man könnte sie "Ethno-Krimis" nennen. Sie spielen im Indianerreservat im Westen der USA, die Hauptperson ist Lieutenant Chee von der Navajo Tribal Police, mit der den Indianern ein gewisses Maß an Sebstverwaltung (und Selbst-Strafverfolgung) zugebilligt wird (nicht immer: bei Schwerkriminalität greift - meistens störend - das FBI ein...). Neben eine spannenden Handlung kann man lesend die grandiose karge Landschaft genießen und erfährt eine Menge über die für uns sehr seltsame und düstere Navajo-Mythologie. Sehr behutsam und keineswegs spektakulär werden auch die Beziehungsprobleme der Hauptperson dargestellt, die mit dem Dasein als Außenseiter der US-amerikanischen Gesellschaft zusammenhängen.
Ich habe alle Hillerman-Titel mit großem Vergnügen gelesen. Das sind so Bücher, die ich nicht verschlinge, sondern für die ich mir viel Zeit lasse - und bei denen ich es bedaure, wenn ich auf der letzten Seite angelangt bin.
Ein ganz anderes Kaliber - aber nicht weniger lesenswert - ist der gebürtige Österreicher Heinrich Steinfest.Die Handlungsorte seiner Krimis (der jüngste: Heinrich Steinfest, EIn dickes Fell, Piper 2006) sind vor allem Wien und Stuttgart, wahrlich eine merkwürdige Verbindung...die Hauptperson ist ein einarmiger Detektiv namens Cheng. An Steinfest absolut ungewöhnlich ist sein Stil: eine derart kraftvolle, bilderreiche, differenzierte und auch witzige Sprache findet man in der Trivialliteratur sonst nirgends. Manchmal ist es fast zuviel, so wie es einem geht, wenn ein Journalist einen Roman schreibt: 500 Seiten in einem Stil, den man von brillanten Reportagen kennt - das ist fast zu viel. Trotzdem: Für Freunde des anspruchsvollen Krimis ein Muss.
Hillerman und Steinfast haben keinerlei Gemeinsamkeiten, außer, dass ich sie beide sehr mag...
Fa
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Sonntag, März 26, 2006
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